Das dieswochenendliche Politcamp (#pcg09) in Graz wollte ich dafür benützen die Laizismus-Initiative vorzustellen und Feedback über den engeren IntiatorInnenkreis hinaus von einem interessierten und kompetenten Publikum einzuholen. Beides ist erfolgreich einer Erledigung zugeführt worden, wobei mit der zweite Tag des Politcamps dank dem springfestival abhanden gekommen ist.
Mit einer kurzen Präsentation versuchte ich die Hintergründe, Strategie und Ziele der Initiative zu erläutern. Das ist scheinbar ganz gut gelungen. Das erste Feedback warf keine größeren Vermittlungsprobleme an sich auf. Ohne jemanden Zustimmung unterstellen zu wollen, wurde das prinzipielle Problem der nicht-vollständigen Trennung von Staat und Religion von allen Anwesenden zumindest als solches erkannt. Widerrede gab es jedenfalls keine.
In der anschließenden Diskussion wurde aus verschiedenen Richtungen v. a. ein Punkt kritisiert, die sich in etwa so zusammenfassen lässt:
Die Laizismus-Initiative fordert mehr als nur die Trennung von Staat und Religion, sondern verbindet das sachliche Anliegen mit missionarischem Eifer. Und das außerdem in einer, je nach persönlicher Verfassheit des Rezipienten, polemischen, aggressiven, respektlosen Art und Weise.
Desweiteren werden weltanschaulichen Hintergründe ebenso mitbewertet, d. h. konkret die Laizismus-Initative ist eine atheistische Bewegung und keine die den Dialog mit Religionen oder anderen Weltanschauungen sucht.
Die Summe der Empfehlungen und von einigen geäußerter Wunsch war das Potenzial der Initiative nicht dadurch zu beschränken und den Kreis potenzieller UnterstützerInnen gewaltsam zu beschränken.
Auch wenn ich diesem Tag nicht unbedingt in der Laune war Lernfähigkeit in meiner Person zu vermitteln, habe ich daraus schon einige Dinge ableiten können, die Laizismus-Initiative in den folgenden Tagen und Wochen ein wenig ändern werden.
In der jetzigen Form vermischen wir in unserer Erklärung tatsächlich Forderung und Konsequenz nach der Trennung von Staat und Religion. Das führt dazu, dass klare Folgen schon jetzt als Forderung wahrgenommen werden. Wie mit Religionsunterricht, Konkordat, etc. bei einer tatsächlich erweiterten Trennung umzugehen ist, kann nicht in eine einfache Forderung verpackt werden. Speziell im Fall des Religionsunterrichts stößt die Laizismus-Initiative an ein permanentes Vermittlungsproblem, das zumindest in diesem Fall nicht ausschließlich beim Absender zu suchen ist. Es geht hier ja, um bei diesem Beispiel zu bleiben, (auch explizit in den Texten formuliert) nicht darum, sämtliche Lehrinhalte des Religionsunterrichts zu beseitigen, sondern a) darum die Inhalte allen SchülerInnen gleichermaßen zugänglich zu machen und b) bei diesen Inhalten auch konkret zu deklarieren, dass es sich hier nicht um gesichertes Wissen bzw. historische Fakten, sondern eben Mythen handelt.
Gerade weil die Laizismus-Initative sich gut mit kritischer, wissenschaftlicher Methodik verträgt, werden die Texte präzisiert und unnötige Reibungspunkte in den Formulierungen weiter entfernt werden. An der prinzipiellen Forderung nach der Beseitigung der Weltanschauung als kategorienbildendes Merkmal und der daraus abgeleiteten Privilegien wird sich natürlich nichts ändern.
Danke an die OrganisatorInnen des Politcamps und danke für wertvolle Inputs von u. a. Max Kossatz, Christoph Chorherr, Martin Schimak, HC Voigt und Gerald Bäck, sowie speziellen Dank an Christian Klepej, der eben kein Vertreter der orstüblichen Harmoniesucht ist und bei seiner Kritik mindestens genauso weit übers Ziel (“geprägt von tiefem Hass”, “schülerquatsch”, etc.) schießt, wie ich selbest.
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9 Responses to Die Feedbackmaschine Politcamp
max
May 25th, 2009 at 06:57
Find ich sehr gut das ihr auf diese Punkte ein geht! Dann wird daraus eine wirklich offene Initiative, waren auch sehr spannende Diskussionen.
Grad in Zeiten wo Kirchen zur Parteiwerbung “missbraucht” werden (einmal andersrum, normalerweisse “missbrauchen” die Kirchen den Staat) ist so eine Initiative wichtiger den je.
Andreas Pizsa
May 25th, 2009 at 07:14
Wie schon gesagt ist eine genaue Trennung zwischen Staat und _Kirche_ – oder besser von “Politik” und _Kirche_ – durchaus wünschenswert; ich glaube auch, dass ein einfaches Anpassen der Rhetorik allein den Charakter der Initiative selbst nicht ändert. Sie ist nämlich im Herzen sehr aggressiv und über-missionarisch – man wird eben, was man hasst ;) Das ist so, ganz besonders im Bereich des Glaubens.
Da wird “Politik” schnell zur Ersatzreligion und “der Staat” bald zur Kirche, die an das irdische Heil nicht nur glaubt, sondern auch meint, es versprechen zu können. Wie friedlich ist da im Vergleich die erste Edle Wahrheit des Buddhismus: “Alles Leben ist Leid”.
Ich finde, dass ein großes Hindernis der Initiative ist, den “Feind” nicht gut genug zu kennen. Damit besteht ein wenig die Gefahr, einen blinden Kampf gegen Windmühlen zu führen. Und von Feinden ist immer sehr gut zu lernen. :)
Liebe Grüße,
Andreas
georg
May 25th, 2009 at 08:10
“gefällt mir sehr gut” würde ich jetzt woanders klicken. bravo.
allein der satz “Auch wenn ich diesem Tag nicht unbedingt in der Laune war Lernfähigkeit in meiner Person zu vermitteln, habe ich daraus schon einige Dinge ableiten können,…” verdient einen anerkennungs-award! ;)
alm
May 25th, 2009 at 09:10
@max @georg danke. Ich denke, ich weiß jetzt, wo die gröbsten Vermittlungsprobleme liegen.
Und @andreas klarerweise ändert das die Initiative im Herzen nicht. Das Ganze ist natürlich nicht aus einer rechtsphilosophischen Motivation heraus entstanden. Mir aber Hass zu unterstellen (wie auch der eine ÖVPler, der da war) muss ich echt zurückweisen. Das trifft weder auf die Religionen und schon gar nicht auf die Menschen zu. Eine spürbare Abneigung gegen kirchliche Institutionen und Privilegien kann ich nicht leugnen. Aber Hass ist mir zu hart. Den Begriff reservieren wir lieber für andere Glaubenskämpfer. Und Politik geht sowieso nicht als Weltanschauung bzw. Religion durch.
max
May 25th, 2009 at 09:12
Der “ÖVPler” war übrigens Christian Klepej.
max
May 25th, 2009 at 09:13
Mist, url hat nicht funktioniert, das ist Christians Blog: http://www.look.at/enlargeyourpen/index.html
alm
May 25th, 2009 at 09:17
Danke Max, ich hab’s mir gedacht, aber bei der Vorstellungsrunde offensichtlich den falschen Menschen mit dem Namen assoziert. Ja den kenn ich ja eh vom gegenseitigen Kommentieren…
Politcamp Graz 09: Meine kleine Nachbetrachtung - Mein Blog
May 25th, 2009 at 23:25
[...] gab es nämlich noch die von Niko Alm über die Laizismusinitiative, die anschließend sehr kritisch diskutiert wurde. Mir war bis dahin nicht klar, dass die Initiative als polemisch wahrgenommen [...]
Christoph Chorherr - Die Chance auf Avantgarde
June 4th, 2009 at 12:14
[...] 24. Mai fand in Graz das zweite Politcamp statt. Dort wurde fleißig fotografiert, referiert und diskutiert – jedoch in einem elitären Kreis, waren doch sehr viele Politikbegeisterte und sehr wenige [...]