Passend zu meinem brandneuen Facebook-Username http://www.facebook.com/NikoAlm mein letzter Beitrag im aktuellen Gap 097.
Im Gap gibt es eine Rubrik “Wortwechsel” in der jeweils 5 Menschen zu einer Frage Stellung beziehen. In dem Fall:
Verpasse ich etwas ohne Facebook?
Florian Klenk, Schirin Charlot, Jana Herwig, Benedikt Föger und ich gaben die Antworten. Und natürlich glaubte ich, dass alle, weil ja medientheoretisch oder -praktisch geschult, sofort Nein sagen würden, um zu unterstreichen wie wenig sie Facebook notwendig haben. Die Antwort war durchwegs Ja – mit den üblichen Einschränkungen, dass zuviel Facebook auf Kosten des RL geht. Aber wir müssen einfach lernen, beides zu kombinieren. Ich entschied mich in meiner Antwort daher für das radikale Ja.
Hier der Text:
Facebook ist kein Spaß
Gibt es eigentlich noch immer Menschen, die das Internet für einen vorübergehenden Trend halten? Es gibt sie. Genau wie jene, die Facebook gerne als Hype abkanzeln und damit aber nicht ausdrücken wollen, dass die Plattform irgendwann von der nächstgrößeren abgelöst werden wird, sondern dass Social Networks überhaupt keine nachhaltigen Phänomene sind. Aber: Facebook ist kein Spaß. Es verändert unsere persönlichen Beziehungen fundamentaler, als jedes andere vergleichbare Medium zuvor.
Jeder von uns, der Facebook halbwegs regelmäßig nützt, hat schnell mehrere hundert Freunde: Arbeits-, Schulkollegen, Bekannte, … und Menschen mit denen wir tatsächlich befreundet sind. Diesen kommunizieren wir permanent Gedanken aus unserem Leben. Egal ob banal oder epochal, das Spektrum der mit “Share” geteilten Ereignisse könnte breiter nicht sein. Unsere Statusupdates, mobil verfasst oder via Twitter, identi.ca, et al. syndiziert, sind (halb)öffentlich und unverbindlich. Sie zwingen nicht zu einer Antwort, sie fordern den Kommentar heraus. Und nichts ist so trivial, dass es nicht von irgendeinem meiner Freunde, außer meiner Freunde, die noch nicht auf Facebook sind, kommentiert würde. Damit rückt unser Netzwerk paradoxerweise, obwohl weitläufiger und geografisch verstreuter, emotional viel näher an uns heran. Die personalisierten Momentaufnahmen sind, dank ihrer Kürze auf einen Blick erfassbar, weiterführende Information wird eingebettet oder verlinkt. Wir kommunizieren in kommentierbaren Headlines, sodass aus Microblogs schnell Microconversations oder auch Diskussionen mit langen Threads werden. Diese völlig neue Ökonomie der Dialektik ermöglicht schnelles Feedback und eine permanente Adjustierung des eigenen Ichs im Netzwerk. Angewandte Facebook-Kybernetik mit dem ultimativen Shortcut: die “Like”-Funktion.
Verpasse ich etwas ohne Facebook?
Hell yeah. Wer Facebook ignoriert, verzichtet auf die Rückkoppelung mit seinem Netzwerk. Das kann gewollt, ungewollt, gut oder schlecht sein. Leugnen lässt es sich aber nicht.
2 Responses to Verpasse ich etwas ohne Facebook?
Gedanken zu Facebook | Alte Knacker
June 13th, 2009 at 21:35
[...] Niko Alm hat heute seine Sicht vom Phänomen Facebook in seinem Blog veröffentlicht. Nachzulesen hier . [...]
mitzi
June 14th, 2009 at 21:59
„Es verändert unsere persönlichen Beziehungen fundamentaler, als jedes andere vergleichbare Medium zuvor. …Damit rückt unser Netzwerk paradoxerweise, obwohl weitläufiger und geografisch verstreuter, emotional viel näher an uns heran.“
über dieses paradoxon, das offenbar mittlerweile keins mehr ist hab ich vor kurzem eine studie gelesen, leider nicht gebookmarkt und finds auch nimmer..
conclusio war in etwa so:
die art der kommunikation der user untereinander innnerhalb von social networks (von fast intimen bis zum eigenmarketing in reduzierten texten, bildern) , das nicht vorhandensein des gegenübers und von essentiellen face to face kommunikationsteilen wie sprachmelodie, augenkontakt, körpersprache (+ all dem zeugs was wir sonst unbewusst von andren wahrnehmen) führt dazu, dass dem einzelne user mehr raum zur interpretation des anderen users aber noch wichtiger projektion in den anderen user bleibt.
das bewirkt einerseits eine senkung der eigenen hemmschwelle (hehe, kommt mir irgendwie bekannt vor) und führt aber auch zu einer schnelleren vertrauensbildung als IRL. (ich glaub, das ist auch eine „generationenfrage“).
abgesehen von all dem, der begriff des „freunds“ ändert sich wohl auch massiv dadurch.
und das gehört nicht hierher aber wenn du noch ehrenamtliche zur unterstützung brauchst (wordpress und adobe, ähm na ja, net wirklich) aber ich könnte meine scheu überwinden und würd da echt auch dodelhacke dafür machen.