Freitag/Samstag hörte ich, dass die nächste Demonstration der Metaller gemeinsam mit den Studierenden stattfinden soll. Im Online-Kurier war jedenfalls ein entsprechender Artikel, den ich einfach nicht mehr finde. Der Google-Verweis ist scheinbar noch vorhanden…
… aber im Artikel kein Wort (mehr) davon.
Auf DiePresse.com ist (noch) folgendes zu lesen:
Kommenden Donnerstag soll es die nächste Großkundgebung geben – diesmal gemeinsam mit der Metallergewerkschaft. Überlegt wird vonseiten der Studenten auch, sich der Demo der Kindergärtnerinnen und Kindergärtner am 21.November anzuschließen.
Egal ob da jetzt Meldungen nachträglich korrigiert worden sind oder nicht, auch hypothetisch wäre zu hinterfragen, ob es wünschenswert ist, dass die Studierenden mit der Gewerkschaft mitmarschieren, packeln oder kooperieren.
Ein Unterstützung, d. h. Solidarität Richtung Studierende ist für den Protest sicher wünschenswert und eigentlich egal von welcher Seite. Gerne von den Gewerkschaften (schon alleine um mit dem “gehts wos hackeln”-Vorurteil [© Klaus Werner-Lobo] zu brechen), von mir aus sogar von der katholischen Kirche (hat sich die schon geäußert?) oder auch vom Christina Stürmer Fanclub.
Doch diese Solidarität ist eine Einbahnstraße und darf nicht in die andere Richtung wirken.
Wenn die Studierenden offiziell – was sie sonst so tun, ist unerheblich – mit den Gewerkschafterinnen und Kindergärtnern marschieren, ist der Protest inhaltlich nicht mehr bei der Sache. Dann ist die #uniabgebrannt.
8 Responses to Übersolidarität zwischen Gewerkschaft und #unibrennt?
miriam
November 8th, 2009 at 16:19
Ich verstehe Vorbehalte gegenüber den ach so peinlichen verein der österreichischen gewerkschaften. nichts ist mehr rückärtsgewandt, eingeschüchtert und ohne jegliche bewegung als die österreichischen gewerkschaften.
aber warum soll es für die studiprotest bewegung von nachteil sein, wenn wir gemeinsam mit den kindergärtnerInnen demonstrieren. Das ist ein Teil des bildungssystems. und zumindest schule, kindergärten und andere bereiche der bildungslandschaft sollten da schulter an schulter kämpfen / protestieren & agieren…
Andrea Mayer-Edoloeyi
November 8th, 2009 at 16:24
Na, dann muss ich da wohl was dazu sagen, mehr als in 140 Zeichen Platz hat ;-)
Ich finde eine Kooperation zwischen protestierenden Studierenden und den Gewerkschaften gut, weil es da im Kern um das gleich Anliegen geht: Gibts es Chancen für alle in diese Gesellschaft, gibt es Umverteilung von einigne wenigen zu den vielen – oder wird alles an die Profitlogik ausgeliefert, alles den vermeintlichen Interessen der “Wirtschaft” untergeordnet.
Was ich aber bedenklich finden würde, ist wenn sich die Studierenden von Gewerkschaften und AK vereinnahmen lassen würden, denn diese Organisationen haben (leider!) wenig basisdemokratische Tradition in AT, sondern stehen eben auch fürs sozialpartnerschaftliche Auspackeln hinter verschlossenen Türen. Wenn da aber was auch bei den Gewerkschaften in Bewegung ist, dann freut mich das – im Interesse von uns allen.
alm
November 8th, 2009 at 16:25
Es ist ausschließlich eine prinzipielle Frage. Die Gewerkschaften und Kindergärtner_innen stehen hier nur repräsentativ. Die Studierenden sollen mE ausschließlich für ihre eigenen Forderungen eintreten und den Katalog nicht durch Hereinnahme externer Forderungen überdehnen. Die Solidarität braucht nicht zurückgezahlt werden.
Frank'n'Furter
November 14th, 2009 at 20:17
“Wenn die Studierenden offiziell – was sie sonst so tun, ist unerheblich – mit den Gewerkschafterinnen und Kindergärtnern marschieren, ist der Protest inhaltlich nicht mehr bei der Sache. Dann ist die #uniabgebrannt.”
sehe ich nicht so. die forderungen sollen bestimmt nicht mit anderen vermischt und damit verwässert werden, letztlich sitzen wir aber alle in einem boot, das von steuerleuten navigiert wird, dei ihr geschäft auf der titanic gelernt zu haben scheinen.
eigentlich wollte ich dir aber zu deiner bewerbung zum superpraktikanten gratulieren, simply cool ;-)
http://www.agenda2020.at/a20_phpbb/viewtopic.php?p=3366#p3366
alm
November 15th, 2009 at 00:45
Ich glaube, dass die Studierenden damit viele Sympathien verschenken. Wahrscheinlich kaufen sie sich damit auch neue, aber sympathisch wirkt das nicht. Auf mich. Kann aber auch eine Einzelmeinung sein.
Frank'n'Furter
November 15th, 2009 at 11:35
ich sehe die aktuelle studentenbewegung als initialzündung zu etwas viel größerem, das da im entstehen ist und das man überall spürt. die zeit ist einfach reif dafür, dass wir uns das alles nicht mehr bieten lassen.
noch mal: die studenten sollten sich auf die sie konkret betreffenden dinge konzentrieren, aber nicht aus den augen verlieren, dass die situation der unis nur ein teilaspekt eines grundsätzlichen gesamtgesellschaftlichen problems ist. das prekariat etwa, das du da in deiner superpraktikantenbewerbung ansprichst, trifft ja nicht nur dissertanten, sondern zb auch eine menge alleinerziehende mütter oder sonstige “underdogs”, die sich da in call centers und ähnlichem abquälen, nur um überleben zu können.
alm
November 15th, 2009 at 12:47
Auch wenn #unibrennt die Intitialzündung zu etwas viel Größerem sein sollte, sind das 2 verschiedene Dinge.
Frank'n'Furter
November 15th, 2009 at 13:13
nope. ich sehe unibrennt als eigenständigen knoten in einem sich formierenden gesellschaftlichen netzwerk.
ihr dürft sicher nicht hansdampf in allen gassen spielen und euch damit verzetteln, und solidarität ist bestimmt kein bartergeschäft, wo eine schuld entsteht, die “zurückbezahlt” werden muss.
diese berührungsängste und abgrenzungsbemühungen sehe ich aber als übertrieben an, wenn andererseits leute innerhalb von unibrennt sich da ungehemmt über die “universität als aspekt der kapitalistischen produktionsverhältnisse” verbreitern können.
damit werden weit mehr sympathien verschenkt, weil da ein scheunentor für die aufgemacht wird, für die ohnehin alle studenten verkappte marx-, lenin-, trotzk- und andere einschlägige -isten sind.