Dieses Interview mit Helge Fahrnberger ist Teil 2 der Coverstory “Protest 2.0″ in The Gap 102
NEU: Auf helge.at gibt es das Interview auch mit Bonusfragen und noch mehr Links!
Die im März gestartete Initiative Grüne Vorwahlen wollte ein bestehendes Statut der Wiener Grünen nützen, wonach Unterstützer der Partei bei den Grünen Vorwahlen stimmberechtigt sind, um möglichst viele Menschen zur Landesversammlung am 15.11. 2009 zu bewegen und dort die Liste für die Gemeinderatswahl mitzuwählen. Die Wiener Grünen akzeptierten entgegen der Annahme der Initiative nur ca. die Hälfte der Unterstützungserklärungen, ohne genau darlegen zu können, warum so viele Sympathisanten abgelehnt wurden. Einer der Initiatoren, Helge Fahrnberger (Bild), beantwortet dazu einige Fragen.
Es gibt zwar Initiatoren, aber eine Kommunikation ist mit den Grünen Vorwahlen nur in ihrer Gesamtheit möglich. Hätten die Grünen Vorwahlen nicht Vertreter mit (Ver)Handlungsvollmacht ausstatten müssen?
Den Grünen hinter verschlossenen Türen irgendwelche Zugeständnisse abzuringen, hätte genau das ad absurdum geführt, was wir von ihnen verlangten: Entscheidungen transparenter und unter Einbindung von uns Wählern zu treffen. Daher gab es keine andere Verhandlungsoption als die Entscheidung der Grünen, jeden Zweiten abzulehnen, transparent zu machen und die Diskussion darüber öffentlich zu führen. Hier war auch der Weg das Ziel: Lieber aufzeigen, wie eine Partei tickt, als ihr in geheimer Absprache was abzuverhandeln.
Haben die Grünen Vorwahlen punkto Organisation einen Punkt verpasst, um mit dem unerwarteten Verlauf anders umgehen zu können?
Es sind im Laufe der Grünen Vorwahlen sicher Fehler passiert: Wir haben zugelassen, dass einzelne Grüne Scharfmacher Gerüchte über einen Putschversuch verbreiten, im Glauben, dass man intern eh unsere Blogs liest, um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Auch haben wir uns vielleicht zu bereitwillig vor den Karren von Medien mit eigener Agenda spannen lassen. Trotzdem waren wir zu unserer eigenen Überraschung dem Grünen Landesvorstand organisatorisch und in Sachen Medienarbeit zu jedem Zeitpunkt überlegen. Die Grünen spielten als Gast, für uns war es das Heimspiel. Schade war nur, dass es überhaupt zum Match kommen musste, wir hätten ja auch gemeinsam auf ein Tor spielen können.
Oder wäre es vielmehr alleinige Aufgabe der Grünen, hier die entsprechende Kommunikation richtig aufzubauen?
In einer idealen Welt ja – dann hätten die Grünen die Grünen Vorwahlen als das begriffen, was sie waren: Eine Kampagne für Mitarbeit und Mitbestimmung bei den Grünen. Aber der Landesvorstand stand massiv unter Druck einzelner Funktionäre und war angesichts der Tatsache, dass fast alle Mitglieder selbst für den Gemeinderat kandidieren wollten, erpressbar. Einfach den Wortlaut der Statuten zu vollziehen schien da keine Option mehr zu sein. Das Resultat war ein kommunikatives Fiasko und ein Kampf gegen die eigenen Sympathisanten.
Wie kann aus deiner Sicht, unabhängig von den Grünen Vorwahlen, eine Kommunikation zwischen Netzwerk-Protest/Initiative und hierarchischer Organisation stattfinden?
Je klarer eine Organisation definiert hat, wo und wie ihre Kunden, Wähler oder Einwohner andocken können, desto besser. Im Bereich der Bürgerbeteiligung gibt’s seit vielen Jahren funktionierende Modelle, selbst wenn die Kommunen oft nicht die Konsequenz besitzen, sie anzuwenden. Auch moderne Organisationen wie der T-Shirt-Hersteller Threadless.com oder die Enzyklopädie Wikipedia haben ihre Partizipationsmöglichkeiten sehr genau definiert und stellen diese in einem ständigen Erneuerungsprozess laufend zur Diskussion. Konsumenten fordern zunehmend Mitsprache auch dort ein, wo sie noch nicht vorgesehen ist. Mit den Mitteln des Internets ist es eben einfacher denn je, »zurückzureden« und sich mit Gleichgesinnten zu organisieren. Die meisten Organisationen sehen das als Bedrohung, dabei ist es eine riesige Chance.
1 Response to Protest 2.0 in The Gap 102 – Interview mit Helge Fahrnberger zu #GrueneVW
Protest 2.0 in The Gap 102 über #unibrennt, #GrueneVW und den Hashtag
December 3rd, 2009 at 12:01
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